Überblick
Zwischen Stier und Fische fließt eine sanfte, nährende Kraft, denn Erde und Wasser sind einander von Natur aus zugetan: Das Wasser macht den Boden fruchtbar, der Boden gibt dem Wasser eine Form. Ihr Sextil über zwei Zeichen ist ein Winkel der Gelegenheit, der sich mit ein wenig Mühe zu einem tiefen Einvernehmen entfaltet. Beide sind Liebhaber der Schönheit, doch von entgegengesetzter Art. Der Stier, von Venus regiert, herrscht über das zweite Haus des Greifbaren; seine Schönheit ist die des Mahls, der Berührung, des sicheren Bodens. Die Fische, von Jupiter und Neptun regiert, herrschen über das zwölfte Haus des Unbewussten; ihre Schönheit ist die des Traums, der Kunst, des Unsichtbaren, das keine Grenze kennt. So begegnet die feste Erde dem grenzenlosen Meer, und beide brauchen einander mehr, als sie ahnen: Die Fische, die keine feste Membran zwischen sich und der Welt besitzen, finden im Stier ein Ufer und einen Anker; der Stier findet in den Fischen die Seele und die Weite des Gefühls, die seiner Erde sonst fehlt.
Liebe & Romantik
In der Liebe finden hier zwei der hingebungsvollsten Herzen des Tierkreises zueinander. Der Stier ist der treueste und zärtlichste Partner, der langsam, tief und für immer liebt; die Fische geben sich ganz und sehnen sich nach einer Verschmelzung, die die Grenze zwischen zwei Seelen auflöst. Beide suchen keine flüchtige Eroberung, sondern eine Bindung von Dauer, und beide sprechen die Liebe zärtlich, nicht laut. Der Stier schenkt den Fischen genau das, was ihre grenzenlose Natur am dringendsten braucht: Sicherheit, einen festen Grund, ein Ufer, an dem ihr Wasser nicht verströmt. Die Fische schenken dem Stier die Poesie, die Hingabe, die traumhafte Tiefe, die seine sinnliche Welt selten erreicht. Die Gefahr liegt in Neptuns Nebel: Die Fische lieben leicht das idealisierte Bild statt des wirklichen Menschen, während der Stier den greifbaren, gegenwärtigen Partner braucht, den er berühren kann. Wenn die Fische auf dem Boden des Stiers ankommen und der Stier den Traum der Fische ehrt, wird ihre Liebe zu einem stillen, warmen Hafen.
Freundschaft
Als Freunde bilden Stier und Fische ein sanftes, verständnisvolles Paar, in dem sich zwei sehr verschiedene Gaben ergänzen. Der Stier ist der ruhige Anker, in dessen Gegenwart das Aufgewühlte stiller wird, und gerade das braucht die durchlässige Seele der Fische, die jede Stimmung ihrer Umgebung aufnimmt wie ein Schwamm das Wasser. Die Fische wiederum schenken dem bodenständigen Stier eine Empathie und einen Blick für das Unsichtbare, die dessen praktische Welt selten kennt. Sie teilen die Liebe zur Ruhe, zur Schönheit, zum ungestörten Beisammensein, und beide meiden den lauten Streit. Die Reibung ist leise: Dem verlässlichen Stier ist die Unzuverlässigkeit der Fische fremd, ihr Vergessen, ihr Verspäten, ihr Verschwinden in den eigenen Strudeln; den Fischen erscheint der Stier zuweilen zu nüchtern, zu sehr im Greifbaren verhaftet, zu wenig offen für das Träumerische. Doch selten findet eine so weiche Seele einen so festen Grund, und die Freundschaft, die daraus wächst, ist eine der geduldigsten und heilsamsten, die es gibt.
Kommunikation
Im Gespräch begegnen sich zwei Menschen, die beide wenig Worte brauchen und viel im Ungesagten mitteilen. Der Stier spricht bedächtig, in seinem eigenen Tempo, und beruhigt allein durch seine Anwesenheit; die Fische reden selten geradeheraus über das eigene Gefühl, denn sie leben mehr in Bildern und Stimmungen als in klaren Sätzen. So entsteht eine Verständigung, die oft ohne Worte auskommt, ein Fühlen mehr als ein Reden. Solange beide sich sicher fühlen, ist dieses Schweigen tief und tröstlich. Doch es hat seine Gefahr: Der Stier verschließt seinen Groll und staut ihn über Jahre, die Fische weichen dem Konflikt aus und ziehen sich in ihre innere Welt zurück, statt zu sagen, was sie verletzt hat. Zwei Menschen, die beide lieber ertragen als aussprechen, können einander im Nebel verlieren. Ihre Reife liegt darin, das Zärtliche wie das Schwierige bewusst in Worte zu fassen, ehe es im Schweigen versinkt.
Gemeinsame Werte
Auf der Ebene der Werte trennt Stier und Fische ihr Verhältnis zum Materiellen, und darin liegt zugleich ihre Ergänzung. Der Stier sieht im Geld Sicherheit, Schönheit und Lebensqualität; er spart klug, investiert bedächtig, kauft nicht, was er nicht anfassen kann, und lässt sein Vermögen Stein um Stein wachsen. Den Fischen ist das Geld eine Fremdsprache, die sie nie ganz zu lernen scheinen; sie geben großzügig, oft für andere, verlieren den Überblick und misstrauen der nüchternen Welt der Zahlen. So begegnet der grundsolide Verwalter dem verträumten Verschenker, und beide können voneinander lernen. Der Stier gibt den Fischen einen sicheren Rahmen, ein Ufer, das ihre Großzügigkeit vor der Selbstauflösung bewahrt; die Fische erinnern den Stier daran, dass nicht aller Wert im Besitz liegt und dass die Hand, die gibt, mehr besitzt als die, die nur hält. Zusammen halten sie die Waage zwischen dem Bewahren und dem Schenken.
Stärken
Die Stärke dieses Paares ist die sanfte Art, in der jeder dem anderen das gibt, was ihm von Natur aus fehlt. Der Stier schenkt den Fischen den festen Grund, das Ufer, die Sicherheit, ohne die ihre grenzenlose Seele sich in der Welt verliert; die Fische schenken dem Stier die Seele, den Traum, die Weite des Gefühls, ohne die seine bodenständige Welt zu eng geriete. Erde und Wasser nähren einander: Das Wasser der Fische macht den Boden des Stiers fruchtbar, der Boden des Stiers gibt dem Wasser der Fische eine Form und ein Ziel. Beide sind zärtlich, treu und friedliebend, und keiner drängt den anderen mit Härte oder Wettbewerb. Der Stier bringt in die Verbindung die Beständigkeit, die die veränderlichen Fische allein nie fänden, die Fische bringen die Poesie, die den Stier vor der bloßen Materie bewahrt. So entsteht ein Zuhause, das zugleich sicher und beseelt ist, ein seltener Ort, an dem eine weiche Seele wurzeln und eine feste Seele träumen darf.
Herausforderungen
Die eigentliche Prüfung von Stier und Fische liegt im Abstand zwischen dem Greifbaren und dem Grenzenlosen, denn was den einen erdet, kann den anderen einengen. Die Nüchternheit des Stiers, seine Bindung an das Praktische und Materielle, kann den Traum der Fische bedrängen, sodass sie sich in ihrer feinsten Gabe, der Fantasie und dem Gefühl, nicht geachtet fühlen. Umgekehrt kann die Grenzenlosigkeit der Fische den Stier ermüden: ihre Unzuverlässigkeit, ihr Verschwinden in Stimmungen, ihr Mangel an dem festen Boden, den er über alles braucht. Ihre verschiedenen Naturen schärfen dies zusätzlich: Der fixe Stier hält am Vertrauten fest und widersetzt sich der Veränderung, die veränderlichen Fische fließen dahin und lassen sich schwer festhalten. Auch droht die Gefahr, dass der Stier, wenn die Fische in einen ihrer Strudel geraten, mit praktischer Hilfe antwortet, wo Mitgefühl gefragt wäre. Ihr Sextil verspricht kein müheloses Glück; es verlangt, dass der Stier den Traum ehrt und die Fische den Boden achten.
Ratschläge
Bist du ein Stier mit einem Fisch oder ein Fisch mit einem Stier, dann besitzt eure Verbindung eine sanfte, heilsame Kraft, und eure Arbeit liegt darin, den Traum und den Boden gleichermaßen zu ehren. Stier, verachte die Träume deiner Fische nicht als Wolkenschieberei, sondern erkenne in ihnen die Seele, die deiner geerdeten Welt Weite schenkt; sei das Ufer, an dem ihr Wasser Halt findet, ohne es einzudämmen. Fisch, ehre das Bedürfnis deines Stiers nach dem Greifbaren und Sicheren, halte deine Zusagen und komm auf seinem festen Boden an, statt in den eigenen Strudeln zu verschwinden. Sprecht beide aus, was ihr sonst schweigend tragt, denn zwei Menschen, die lieber fühlen als reden, verlieren einander leicht im Ungesagten. Wenn der Stier den Fischen ein Ufer und die Fische dem Stier eine Seele schenken, wird aus Erde und Wasser ein fruchtbarer Grund, auf dem beides gedeiht: die Sicherheit und der Traum.